Kenan Yildirim vor den Containern des SV 07 im Sportpark – auf dem Verkaufscontainer der Schriftzug „Vereinsheim" und das Vereinswappen

Traditionsverein ohne Zuhause

Diese Überschrift stammt nicht von uns: So titelte die Main-Spitze am 25. Juli 2026 ihren Bericht über unser Vereinsheim-Vorhaben (VRM+). Sie trifft es. Hier ist die ganze Geschichte.

2027 wird der SV 07 Raunheim 120 Jahre alt. Älter als die Bundesrepublik. Rund 580 Mitglieder, 22 Mannschaften, und bis heute kein eigenes Vereinsheim. Über Generationen hat der Verein seine Plätze und sein Haus selbst gebaut, selbst bezahlt und wieder hergegeben. Ein eigenes Vereinsgelände wäre kein Geschenk, sondern eine Notwendigkeit.

22. Juli 1976, außerordentliche Mitgliederversammlung des SV 07 Raunheim. Es geht um den Abriss des Vereinsheims. Ludwig Draisbach meldet sich zu Wort. Er ist dafür. Fünfundzwanzig Jahre zuvor hat er genau dieses Haus mit aufgebaut, wie viele andere Mitglieder damals, mit den eigenen Händen. Jetzt rät er, es niederzureißen.

Ein Verein, der baut, was er braucht, und wieder hergibt, was ihm gehört.

Knapp fünfzig Jahre später, Sommer 2026. Der Verein hat rund 580 Mitglieder. Und das Vereinsheim? Zwei Sozialcontainer und ein Verkaufscontainer am Platz, dazu zwei Räume im Funktionsgebäude der Stadt. Ein eigenes Haus ist das nicht. Das ist kein Pech. Es ist die Summe vieler Entscheidungen, bei denen der Verein jedes Mal etwas Eigenes hergab. Was er über die Jahrzehnte selbst baute, steht in keiner städtischen Rechnung.

Ein Verein, der seine Plätze selbst baute

1907 gegründet, damals noch unter dem Namen Viktoria, legten die Mitglieder ihren ersten Platz am Königstädter Damm selbst an. In den zwanziger Jahren bauten sie einen neuen am Haßlocher Weg, wieder in Eigenregie. Der wurde zur Heimat, bis 1933 der Platz der Segelfliegergruppe weichen musste, auf Anordnung. Was die Mitglieder mit eigenen Händen gebaut hatten, war weg.

1949 setzte sich der Verein mit der Gemeinde zusammen. Die stellte das alte Gelände wieder zur Verfügung und gab Bauholz dazu. Den Rest machten die Mitglieder selbst. 1951 weihten sie ihr neues Vereinsheim ein: Umkleiden, Waschräume, Wirtschaftsraum, eine Wohnung für den Platzwart. 1967 bauten sie es aus, finanziert über eine Stadtbürgschaft von 20.000 Mark, einen Zuschuss des Hessischen Fußballverbands von 7.500 Mark und viel Handarbeit. Der SV 07 war kein Gast mehr auf fremden Plätzen. Er hatte jetzt etwas Eigenes: einen Sportplatz, den die Mitglieder selbst angelegt hatten, und darauf ein Vereinsheim, das dem Verein gehörte. Eigentum mit einem realen Wert.

1976 bis 1997: Ein neuer Sportpark, ein anderer Status

1972 stellte die Stadt einen neuen Gebäudekomplex am Haßlocher Weg in Aussicht. Für den geplanten Sportpark mussten gleich zwei Dinge weichen: das alte Vereinshaus und der eigene Sportplatz. 1976 stimmten die Mitglieder zu, mit 50 zu einer Stimme, im Gegenzug für ein neues Vereinsheim, einen Flutlichtplatz und eine Tribüne. Dass all das städtisches Eigentum sein würde, hatte die Stadt von Anfang an klargemacht. Von da an übernahm sie den Sportplatz und seinen Betrieb.

Niemand hat dem Verein etwas weggenommen; er hat selbst zugestimmt und etwas dafür bekommen. Geblieben ist trotzdem: Haus und Platz hatten ihm gehört. Was an die Stelle trat, gehörte der Stadt und wurde geteilt: das Birkeneck mit dem Tennisclub, die Plätze des Sportparks mit anderen Vereinen. Aus dem Eigentümer war ein Nutzer geworden.

1994 baute die Stadt ihr Sportpark-Konzept weiter aus: ein neuer Rasenplatz mit Flutlicht und Tribüne, fast eine Million Mark. Vorsitzender Willi Michel nannte ihn den „von der Allgemeinheit finanzierten Platz“. Die Allgemeinheit zahlte, der Verein spielte darauf und zahlte Pacht. Ihm gehörte kein Quadratmeter. Drei Jahre später schrieb der Vorstand seine „Vision 2000″ auf: ein eigenes Vereinsheim, fertig bis 1999. Es kam nicht. Das Geld fehlte. Der Wunsch ist fast dreißig Jahre alt.

2019: vom Birkeneck in den Container

Kenan Yildirim vor den Containern des SV 07 im Sportpark, auf dem Verkaufscontainer der Schriftzug Vereinsheim und das Vereinswappen
„Vereinsheim“ steht am Verkaufscontainer: Finanzvorstand Kenan Yildirim am Provisorium, das seit 2019 als Treffpunkt dient. Foto: Michael Kapp

Über vier Jahrzehnte war das Birkeneck der Treffpunkt des Vereins. 2019 war damit Schluss. Der Verein gab seine Büro- und Gemeinschaftsräume und seine Verkaufshütte am Birkeneck ab, „zugunsten der Stadt“, so Finanzvorstand Kenan Yildirim. Dafür bekam der SV 07 eine eigens gepflasterte Fläche am Platz. Den blauen Verkaufscontainer darauf stellte nicht die Stadt; den finanzierte der Verein über Sponsoren.

Beim Abriss landeten sogar Akten des Vereins unter den Trümmern; Nachbarn vom Tennisclub zogen sie heraus.

Dort, wo das Birkeneck heute als Restaurant steht, stand bis 1976 das erste, selbst gebaute Vereinsheim. Auf demselben Fleck verlor der Verein zum zweiten Mal sein Dach: 1976 das eigene Haus, 2019 die Räume im Birkeneck.

Zur selben Zeit, als er ins Container-Provisorium zog, baute der Verein nebenan den alten Hartplatz zum Kunstrasen um, als Auftraggeber und auf eigene Initiative. Die Stadt überließ ihm den Platz und steuerte rund 680.000 Euro bei; den Rest brachte der Verein auf: rund 160.000 Euro selbst eingeworbene Fördermittel und 20.000 Euro Eigenleistung. Pächter ist er, der Vertrag von 2018 läuft langfristig, gut 8.400 Quadratmeter.

„Wir waren der Auftraggeber. Wir haben den alten Hartplatz überlassen bekommen und ihn zum Kunstrasen umbauen lassen, die Fördermittel selbst organisiert und unsere Eigenleistung hineingesteckt“, sagt Kenan Yildirim, Finanzvorstand des SV 07. „Das alles steht auf fremdem Grund. Besitzer sind wir, Eigentümer ist die Stadt.“

Die Bilanz zeigt in eine Richtung

1976 gab der Verein sein erstes Vereinsheim auf, damit der Sportpark entstehen konnte. Die Birkeneck-Räume trat er 2019 ab und zog in den Container. In den Kunstrasen steckte er 180.000 Euro. Selbst den Container, aus dem er heute verkauft, hat er über Sponsoren bezahlt, nicht die Stadt. Jeder dieser Schritte hat den Sportpark wachsen lassen. Bezahlt hat ihn oft der Verein, mit eigenem Geld und viel ehrenamtlicher Arbeit. Das Ergebnis: heute rund 580 Mitglieder, aber weniger eigener Boden als 1951.

Die Zusammenarbeit mit der Stadt war über die Jahre oft gut, und die Anlage am Sportpark kann sich sehen lassen. Nur an der Richtung ändert das nichts.

2027: eine alte Frage, neu gestellt

Zum 120-Jährigen 2027 hat sich der Verein etwas vorgenommen: ein eigenes Vereinsheim. „Nicht nur ein Ort zum Kicken“, heißt es im Vereinsheft. Ein Treffpunkt für die Eltern, die warten, für die Ehrenamtlichen, die den Laden am Laufen halten. Der Bedarf wächst: Beim 100-jährigen Jubiläum 2007 hatte der Verein rund 375 Mitglieder. Heute sind es rund 580, ein Plus von rund 55 Prozent.

„Unsere Jugend kommt nach dem Training vom Platz und hat keinen richtigen Raum, keinen festen Treffpunkt“, sagt der erste Vorsitzende Oualid Mokhtari. „Dreimal haben wir etwas Eigenes hergegeben, damit dieser Sportpark wachsen konnte. Einmal andersherum wäre an der Zeit.“

Was die Mitglieder 1951 mit eigenen Händen bauten, ließen sie 1976 selbst abreißen. Diesmal möchte der Verein nicht abreißen, sondern wieder bauen. Wieder auf eigenem Grund.


Presseecho: „Traditionsverein ohne Zuhause“ – Bericht von Michael Kapp, Main-Spitze, 25. Juli 2026 (VRM+).

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