Von den Mainwiesen zum Sportpark – Teil 2
VonKenan
Von den Mainwiesen
zum Sportpark - Teil 2
Hinterm Damm
und ein zweiter Verein
Teil 2: Hinterm Damm und ein zweiter Verein
Die Mainwiesen waren tabu. Doch die jungen Männer der Viktoria gaben nicht auf. Sie suchten sich einen anderen Platz – und fanden ihn.
„Hinterm Damm“ – Raunheims erstes Fußballstadion
So blieb dem jungen Verein nichts anderes übrig, als sich irgendwo anders ein einigermaßen geeignetes Spielfeld zu beschaffen. Er fand ab 1908 ein Stück unbebautes Land „Hinterm Damm“ an der Straße nach Kelsterbach – gleich hinter dem heute verschwundenen Königstädter Damm, nahe an der Kelsterbacher Straße.
In Selbsthilfe entstand dort Raunheims erstes „Fußballstadion“. Freilich war auch hier alles improvisiert: Die Torpfosten mussten zu jedem Spiel mitgebracht und danach wieder abgebaut werden. Sonst wären sie wohl über Nacht verschwunden.
Sobald der Platz bespielbar war und man die ersten Kräfte mit Nachbarvereinen messen konnte, ging die junge Viktoria an die ersten „Sechser-Spiele“ heran – Partien mit sechs Spielern pro Mannschaft, wie sie damals im Rhein-Main-Gebiet üblich waren. Nach jedem Spielschluss zogen beide Mannschaften mit Gesang ins Vereinslokal, wo sie noch einige Zeit in froher Gesellschaft zusammenblieben. Der Fußball war von Anfang an mehr als nur Sport – er war Gemeinschaft.
1910: Ein zweiter Verein entsteht
Das neue Spiel erlebte in jenen Jahren seinen großen Durchbruch und wurde zunehmend gesellschaftsfähig. Überall im Umkreis entstanden Fußballvereine. In Raunheim gab es ab 1910 mit dem Fußballclub Germania sogar einen zweiten Verein.
Aber das war für das kleine Gemeinwesen dann doch zu viel – zumindest auf Dauer. Warum zwei Vereine in einem kleinen Dorf? Die Quellen schweigen darüber. Vielleicht waren es persönliche Differenzen, vielleicht der Wunsch nach einem eigenen Kreis, vielleicht einfach die Begeisterung, dass Fußball immer mehr Menschen anzog. In beiden Vereinen entwickelte sich ein für damalige Verhältnisse sehr reges Vereinsleben. Die Raunheimer waren fußballverrückt – und sie waren gut.
Die „Sechser-Pokale“
Bei den sogenannten „Sechser-Pokalen“ – Turnieren im Sechs-gegen-Sechs-Format, die im Rhein-Main-Gebiet ausgetragen wurden – zählten die Raunheimer zu den Spitzenmannschaften der Region. Meist kehrten sie erfolgreich von den Auswärtsspielen nach Hause. Ein Dokument aus jener Zeit belegt den frühen Erfolg: Eine Ehrenurkunde vom 30. Oktober 1910 bescheinigt dem „Sportclub Germania Raunheim“, dass er sich beim Sport-Club „Teutonia“ Bischofsheim im Schießer-Turnier, Klasse B, unter sechs Bewerbern den 1. Preis errang.
Drei Jahre nach der Gründung der Viktoria – und nur wenige Monate nach der Gründung der Germania – holten die Raunheimer also bereits Pokale. Der Fußball hatte sich in Raunheim etabliert.
1914–1918: Der große Krieg
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges kam der Spielbetrieb zum Erliegen. Der Krieg hatte Opfer gefordert und den Spielbetrieb zeitweise ganz lahm gelegt. Als nach 1918 so mancher Raunheimer Sportkamerad nicht mehr heimgekehrt war, erkannte man: Auf Dauer würden zwei Fußballvereine in Raunheim kaum lebensfähig bleiben. Es brauchte einen Neuanfang – gemeinsam.
1919: Die Fusion zum „Sportverein 07″
Und so dauerte es nur noch bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, dass die Viktoria und die Germania zwangsläufig gemeinsame Sache machten. Noch unter dem Eindruck der Kriegsjahre fusionierten die beiden Vereine zum „Sportverein 07“ – ein Name, der noch heute gültig ist. Die „07″ im Namen erinnert an das Gründungsjahr des älteren der beiden Vereine. Der neue Verein trat dem Süddeutschen Fußballverband bei. Von da an trugen die Raunheimer Fußballer ihren Spitznamen: „die Nullsiebener“.
Seitdem hatten die Nullsiebener ihren endgültigen Namen. Aber noch immer keinen eigenen Platz – und erst recht kein Vereinsheim. Das sollte sich erst in den kommenden Jahrzehnten ändern.
Dazu: Warum manche Spieler zu den Arbeitersportlern abwanderten – und was das mit einer „Lappalie“ zu tun hatte.
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